Apostel Harburg

Impuls zum zweiten Advent

Letzte Woche haben wir überlegt, wie sich Josef in der Zeit vor dem ersten Weihnachten gefühlt haben könnte. Diesmal wird es etwas weniger prominent...

Was für ein Lärm. Was für ein Gewusel hier in Bethlehem. Ich glaube mir platzt der Kopf.

Es sind noch ein paar Wochen bis zur „Zählung aller Menschen“. Und trotzdem ist hier schon die Hölle los. Alle kommen sie angerannt, um ja nicht zu spät zu sein. Um ja alles rechtzeitig zu schaffen. Zumindest die Übervorsichtigen, die Alles-Durchplaner und Auf-Nummer-Sicher-Geher. Ich bin jetzt schon fast ausgebucht. Und das schlimmste: Es wird garantiert noch voller werden. Denn alle, die dann erst kurz vor knapp auftauchen, kommen ja erst noch! Und dann? Dann wird das Gejammer groß. „Aber ich brauch doch auch ein Zimmer!“ „Wie, du hast nichts mehr frei? Das ist doch ein Gasthaus, oder nicht? Da musst du doch genug Zimmer haben!“ „Aber kann man da denn nichts machen? Ich kenne dich noch, als du so klein warst…“ „Deine Oma Hilde, die würde dir was erzählen, wenn sie wüsste, dass du mir kein Zimmer geben willst!“ Und ich darf mich dann damit rumschlagen, weil die zu spät hierherkommen. Darf schön diplomatisch sein, während die an mir rummeckern können, wie sie wollen. Schließlich sind sie ja die Gäste. Auch wenn schon alles voll ist. Oh, und die Essensplanung erst! Die ganzen Leute, die in die großen Städte gezogen sind. Die mit ihrem „feinen Geschmäckern“. Was die alles haben wollen. Da stehe ich doch für das Frühstück schon Stunden lang in der Küche! Ich sollte einfach zumachen für die paar Wochen. Mir den ganzen Kram nicht antun. Einfach verschwinden und Urlaub machen. Ach ne, ich darf mich ja auch zählen lassen.

Okay, durchatmen.
Ganz ruhig, Benjamin.
Lass dich nicht jetzt schon stressen.
Die Probleme der anderen sind genau das: Ihre Probleme; nicht deine.
Lass ihren Stress nicht so an dich heran.

Du kümmerst dich rechtzeitig um deine Sachen. Und die kümmern sich um ihre. Und wenn du dann am Ende Zeit hast, kannst du ja helfen. Aber lass dich nicht verrückt machen. Schön durchatmen. Dir mal ne ruhige Minute gönnen. Am Sabbat in die Synagoge gehen und Beten. Die nächsten Wochen werden vielleicht etwas voller als sonst. Aber das geht auch wieder vorbei. Und vielleicht ist es ja sogar schön, ein paar Leute wieder zu sehen, die du ewig nicht getroffen hast. Die, die jetzt mal wieder nach Hause kommen, nachdem sie weggezogen sind. Hey, das könnte wirklich was Schönes werden. Genieß es, Benjamin. Genieß die nächste Zeit. Das wird schon werden.