Apostel Harburg

Impuls zum Wochenende:"Wem kann ich eigentlich noch vertrauen?"

Liebe Alle,  

wem kann ich eigentlich noch vertrauen? In Deutschland liegen Ärzt*innen, die Polizei und das Bundesverfassungsgericht vorn. Und dann scrolle ich weiter und finde u.a. die eigenen Arbeitgeber, die Bundeswehr, die Gewerkschaften, die Sparkassen, den Zentralrat der Juden, die Europäische Union und dann endlich auf Platz 26 (!) die Evangelische Kirche, mit dem gleichen Zustimmungswert wie der Papst – beide doppelt so viel wie die katholische Kirche. Ernüchternd! Gleichzeitig: Ein Ansporn!  

Es lohnt sich immer wieder um ( Gott- ) Vertrauen zu werben und Vertrauen zu schenken – im persönlichen Umfeld ebenso wie in unseren sozialen Bezügen: im Beruf, in der Gemeinde, ja und auch gerade in der Politik. Die vielen Frauen und Männer, die sich auf lokalen, regionalen, nationalen und europäischen Ebenen für unsere Demokratie einsetzen, verdienen unser Vertrauen – ein kritisches, kein blindes Vertrauen, aber eben nicht die so verbreitete Häme.  

Unsere Bibel, sie ist voll von Geschichten, die dazu anregen über Vertrauen und die Vertrauenskrisen unserer Zeit nachzudenken. Eine nicht so bekannte fand ich kürzlich im 2. Buch der Könige und ihren Kriegsgeschichten. Da muss sich im 8. Jahrhundert vor Christus der judäische König Hiskia vom assyrischen Großkönig Sanherib verspotten lassen: Was ist das für ein Vertrauen, dass du da hast? Meinst du, bloße Worte seien schon Rat und Macht zum Kämpfen? Auf wen verlässt du dich denn, dass du von mir abtrünnig geworden bist (2. Kg 18,19-20). Ja, Hiskia ist nicht zu beneiden. Wichtige Landstädte Judas sind eingenommen, die Truppen stehen vor Jerusalem. Hiskias Koalitionspartner Ägypten wird verspottet als geknickter Rohrstab, der jedem die Hand durchbohrt, der sich auf ihn stützt. Und was macht der König: Er zerreißt seine Kleider, zieht ein Bußgewand an, geht in den Tempel und bittet Gott voller Vertrauen um die Rettung der Stadt. Und der Prophet Jesaja ruft dem König zu: Fürchte dich nicht vor den Worten, die du gehört hast (2. Kg 19,6). Gott bewirkt, dass Sanheribs mächtiges Heer abzieht.

Was für ein Vertrauen – schön, wenn unser Gottvertrauen und auch unser Vertrauen in unsere Mitmenschen immer wieder wächst, auch durch persönliche und gesellschaftliche Krisen hindurch. Glaube ist, das (selbst-) zerstörerische Gift des Misstrauens zu überwinden – im Gespräch mit Gott und im Gespräch miteinander. Solche Gespräche wünsche ich uns!

Ihr / Euer Axel Matyba