Apostel Harburg

Impuls zum vierten Advent

Maria, Josef und ein Hirte sind zu Wort gekommen. Wer kann uns zum vierten Advent noch eine neue Perspektive auf die Zeit rund um das erste Weihnachtsfest geben?

Alles ist still. Eine Stille Nacht. Mal wieder. So würden es die meisten wohl nennen. Vor allem die ganzen Leute, die gerade hier nach Bethlehem strömen. Oder auch die armen Wirte. Haha, denen muss ja langsam der Kopf platzen. Mancher von Ihnen würde bestimmt gerne tauschen. Aber für andere wäre das auch nichts, die Nacht hier draußen zu verbringen. Zu still. Zu viel Zeit für die eigenen Gedanken.

Aber ich bin hier genau richtig. Nicht der ganze Trubel wie in der Stadt. Aber still? Nein, wirklich still ist es hier auch nicht. Nicht wenn man mal zur Ruhe kommt und genau darauf achtet. Ich höre die Schafe, wie sie sich ab und an mal eines bewegt. Hier und da ein Blöken. Und das kleine da drüben? Das versucht seit Tagen immer wieder nach Bethlehem zu laufen. Ich hab dich im Auge, du kleiner Dickkopf. Was auch immer dich plötzlich in die Stadt zieht. Ich höre den Wind, wie er durch die Baumwipfel pfeift. Das plätschern von Wasser. Selbst hier draußen kann ich das Getümmel in den Tavernen hören, sobald sich mal eine Tür oder ein Fenster öffnet. Aber es ist nicht so ohrenbetäubend. Ein Rauschen im Hintergrund. Und ich? Ich schaue es mir von außen an. Bin ein Beobachter, der sich seinen Teil denkt. Der sich fragt, warum sie alle hin und her hetzen, wenn es dann doch keinen Unterschied macht. Am Ende kommen sie trotzdem genau so schnell an, sind nur erschöpfter und genervter. Der sich fragt, wozu das ganze Geschrei? Kann man denn nicht normal miteinander reden? Gerade dann, wenn man ohnehin schon angestrengt ist, sollte man doch lieber nach Frieden suchen. Und manche Nacht, da bin ich der, der sich fragt, ob jemanden zum Reden hier draußen zu haben nicht vielleicht doch netter wäre. Tja. Man kann nicht immer alles haben, schätze ich. Und wenn es mir die Tage oder Nächte dann doch mal zu still wird, kann ich wenigstens mit Gott reden. Oder meinen Schafen. Wobei ich von denen nur ein „mäh!“ zurückbekomme, schätze ich. Haha. Vielleicht gehe ich morgen mit meiner Herde weiter nach Osten. Da sind glaube ich noch ein paar andere Hirten. Dann kann ich mit ihnen quatschen, und wir sind alle nicht so allein. Mich wieder zurückziehen kann ich dann immer noch, wenn es mir zu viel wird. Bis dahin genieße ich die Stille Nacht. Und bete vielleicht nochmal. Wer weiß, vielleicht guckt Gott ja zufällig gerade auf unsere kleine Stadt. Warum auch immer.