„Mögest du bedeckt sein im Staub deines Rabbi.“
Das war ein Segenswunsch zu Jesu Zeiten. Aus heutiger Zeit klingt das nicht unbedingt erstrebenswert. Wer ist schon gerne voller Schmutz? Warum also war das damals etwas, was man anderen (mit guter Absicht) wünschte?
Ein Rabbi, das war ein Glaubenslehrer. Jemand der sein Leben damit verbrachte die alten Schriften auszulegen und anderen zu erklären, wie er sie versteht. Diese Menschen waren hoch angesehen. Sie waren die Elite der jüdischen Bildung. Nur die Besten der Besten hatten die Chance bei einem Rabbi vorstellig zu werden und sich als Jünger zu bewerben. Sie mussten die gesamten Schriften des alten Testaments auswendig kennen. Sie mussten sie deuten können. Aber nicht nur so, wie sie selbst es wollten. Sie mussten verstehen, was der Rabbi lehrte, mussten sein Verständnis teilen. Nur wenn der Rabbi in ihnen das Potential sah zu leben und zu lehren genau wie er es tut, nahm er sie als Jünger auf. Andernfalls hieß es ab nach Hause und lern den Beruf deiner Eltern. Doch wer Jünger werden durfte, der lebte fortan mit seinem Rabbi zusammen. Er aß, wenn der Rabbi aß. Er ging, wohin der Rabbi ging. Er saugte jedes Wort, jede Geste, jede Handlung auf, bis er fast schon eine Kopie seines Rabbis war. Wenn dieser Tag gekommen war, gab der Rabbi dem Jünger seinen Segen und machte ihn damit auch zu einem Rabbi, der fortan eigenständig lehrte und neue Jünger aufnehmen durfte.
Mögest du bedeckt sein im Staub deines Rabbis. Mögest du so dicht an seinen Versen kleben, dass mit jedem Schritt, den er tut, sein Staub auf deinem Gewand landet. Mögest du so viel Hingabe und Ehrgeiz in dir haben zu dem zu werden, was dein Rabbi schon ist. Das war der Wunsch, der mit diesem Segen ausgedrückt wurde.
Und wie war das bei Rabbi Jesus? Seine ersten Jünger waren nicht die Bildungselite. Sie waren diejenigen, die nach Hause geschickt wurden, um den Beruf ihrer Eltern zu erlernen. Diejenigen, die für jeden anderen Rabbi nicht gut genug waren. Doch Jesus sah sie anders. Er sah, was in ihnen steckte. Er nahm sie als Jünger auf, damit sie werden könnten wie er. Und dann schickte er sie los, um selbst neue Jünger zu finden, als er in den Himmel auffuhr.
Auch dich hat er gerufen. „Komm, folge mir nach. Werde mein Jünger. Tu, was ich tun würde.“ Kein immer einfacher Weg. Aber Jesus, der in dein Herz sehen kann, traut ihn dir zu. Darum wünsche ich dir, auch heute: Mögest du bedeckt sein im Staub deines Rabbi Jesus. Mögest du für sein Wort brennen und das Leben finden, das er für dich sieht. In großen und in kleinen Augenblicken.
Amen