Wer war der erste Basketballspieler? Jesus. Denn er nahm das Brot, brach es und dunkte. Ein furchtbar schlechter Witz, für den mir vermutlich niemand danken wird. Zugegebenermaßen zurecht. Aber es gibt viele Dinge in unserem Leben, für die wir dankbar sein können. Auch wenn sie uns viel zu oft aus dem Bewusstsein entschwinden. Heute Morgen habe ich bei dem Erntedank-Gottesdienst für Kita und Vorschule, den Annabelle gehalten hat, Musik machen dürfen. Es ist immer wieder toll, wofür Kinder alles dankbar sein können. Ich glaube, sie sind da oft bewusster und kreativer. So war den Plakaten nach (die man sich gerne in der Kirche anschauen kann) ein Kind dankbar, dass es einen Garten hat und dort seine Schnecken leben können. Wie dankbar die Eltern für die Schnecken sind, steht vermutlich auf einem anderen Blatt. Ein anderes Kind ist „dankbar für keine Dinos“. Das kann ich gut verstehen. Jurassic Park war zwar damals mein Lieblingsfilm, hat mir aber auch regelmäßige Albträume verpasst, in denen ein T-Rex durch mein Fenster kommt, um mich zu fressen.
Warum fällt es mir manchmal so schwer, dankbar zu sein? Ein Punkt ist wohl die Perspektive. Wenn ich viel zu tun habe, dann schaue ich zu oft auf das, was fehlt oder besser sein kann. Darüber vergesse ich dann, was Tolles da ist, was gut läuft. Manchmal ist es auch einfach die Gewohnheit, die meinem Dank in die Quere kommt. Ich habe mir vor ein paar Wochen einen E-Scooter gekauft. Die ersten Tage habe ich mich über jede Fahrt gefreut und war sehr dankbar, dass ich mir so was leisten kann. Dann wurde es immer mehr Normalität und nur wenn ich einen Anlass hatte, mich darüber freuen zu können, dass ich mit dem Gerät schneller von A nach B kommen kann, tauchte die Dankbarkeit noch mal auf. Tja, seit gestern habe ich einen Platten und bin deshalb für heute auf einen der Leih-Scooter ausgewichen, die weniger bequem zu fahren sind, nicht auf meine Größe (vor allem die meiner Füße) ausgelegt sind, und auf einmal wurde ich wieder sehr dankbar für den eigenen E-Scooter, den ich gerade nicht fahren kann.
Dabei kann Dankbarkeit so viel Gutes in uns bewirken. Wenn ich dankbar bin, dann nehme ich das Gute in meinem Leben bewusst wahr. Ich erkenne, was mir alles geschenkt ist. Wenn ich dankbar bin, dann habe ich keine Zeit, mich über Kleinigkeiten zu ärgern. Wenn ich dankbar bin, mache ich mir weniger Sorgen um das, was fehlt, sondern mache gut gelaunt schlechte Wortwitze. Wenn ich dankbar bin und das nach außen trage, helfe ich anderen zu erkennen, was auch sie alles in ihrem Leben haben, für das sie danken könnten.
Sonntag ist Erntedank. Wofür bist du dankbar? Was ist bei dir selbstverständlich geworden, aber eigentlich ein großer Segen in deinem Alltag? Wofür kannst du dankbar sein, wenn du mal wie ein Kind ein bisschen kreativ wirst? Wofür bist du dankbar, weil es eigentlich nicht selbstverständlich ist?
Euer Joss